Ein Minisetting für Pen & Paper

Eturia

Eturia ist eine Welt, in der man bei Tisch eher zuhört als predigt, in der ein geteilter Becher mehr gilt als ein geschworenes Wort: Ihre Bewohner verehren keine Götter mit Namen oder Gestalt, sondern fünf universelle Prinzipien – Kräfte, die nicht lenken, nicht fordern, nicht urteilen. Sie sind einfach da.

Unter zwei Monden
§ 01

Die Welt

Unter zwei Monden – dem silbernen Tivr und dem kupferfarbenen Lasa – liegen sanfte Hügel, Olivenhaine und verstreute Ruinen aus älterer Zeit. Zwischen Steinterrassen und Rebhängen, zwischen Werkstatt und Herdfeuer entfaltet sich ein Leben, das selten laut wird.

Konflikte werden verhandelt, nicht entschieden – und was offen bleibt, wird ausgehalten statt erzwungen. Weisheit gilt mehr als Eifer. Und doch ist alles in Bewegung.

§ 02

Die Fünf Prinzipien

Sie sind überall gegenwärtig und werden doch verschieden verstanden: von schlichten Deutungen im Alltag bis zu den ausgearbeiteten Lehren der städtischen Philosophenschulen. Auch ohne Tempel prägen sie Gewohnheiten, Sprache und Entscheidungen der meisten Menschen.

01

Das Werden

Wachstum · Heilung · Wandlung

Alles, was lebt, verändert sich. In jedem Ende liegt ein Anfang, in jeder Wunde die Möglichkeit, sich zu schließen.

„Was in dir will sich noch verändern?“

Symbol: Spirale, Farnblatt

02

Das Erwachen

Wissen · Klarheit · Erkenntnis

Wahrheit ist kein Besitz. Sie zeigt sich jenen, die bereit sind, hinzusehen – und zu verstehen.

„Wonach suchst du wirklich, wenn du fragst?“

Symbol: Offenes Auge, Sonne

03

Der Schleier

Geheimnis · Wandel · Illusion

Die Welt ist mehrdeutig. Was sichtbar wird, ist selten vollständig.

„Was zeigst du – und was verbirgst du bewusst?“

Symbol: Nebel, Rauch

04

Die Stille

Ruhe · Vollendung · Loslassen

Alles findet seinen Abschluss. Die Stille ist kein Verlust, sondern ein Zustand jenseits des Drängens.

„Was bist du bereit, endlich loszulassen?“

Symbol: Geschlossener Kreis

05

Das Streben

Wille · Handlung · Durchsetzung

Veränderung geschieht nicht von selbst. Sie wird gewollt, getragen, erzwungen.

„Wofür bist du bereit zu kämpfen?“

Symbol: Flamme, Faust

§ 03

Leben in Eturia

Gesellschaft

Die meisten Orte Eturias sind klein. Dörfer und Siedlungen werden von Ältestenräten geführt, von Stimmen, die Gewicht haben, weil man ihnen zuhört. Entscheidungen entstehen im Gespräch, nicht auf Befehl.

Größere Städte jedoch bringen eigene Ordnungen hervor: Räte, Gilden, Mäzene oder Hüter eines Prinzips prägen das Leben. Keine Ordnung gleicht der anderen, und doch bleibt allen gemeinsam, dass Macht selten offen beansprucht wird.

Einheimische

Zwischen Küste und Hügeln, zwischen Stadt und abgelegenem Tal haben sich Lebensweisen herausgebildet, die einander ähneln und doch verschieden bleiben. Manche führen ein einfaches Leben zwischen Feld, Stein und Jahreszeiten; andere bewegen sich im dichten Gefüge der Städte, wo Worte, Verträge und Beziehungen Gewicht haben.

Unterschiede zeigen sich weniger in der Herkunft als in der Haltung – darin, welchem Prinzip man sich näher fühlt und wie man ihm im eigenen Leben Raum gibt.

§ 04

Für Spieler

Kleriker folgen keinem Gott, sondern einem Prinzip. Ihre Kräfte entspringen der Ausrichtung, nicht der Verehrung. Wähle eine Domäne, die zu diesem Prinzip passt – die folgende Zuordnung ist ein Vorschlag, keine feste Regel:

PrinzipPassende Domänen
Das Werden Leben, Natur
Das Erwachen Wissen, Licht
Der Schleier Täuschung, Zwielicht
Die Stille Frieden, Gräber
Das Streben Krieg, Schmiede

Heilige Symbole

Einfache Dinge: ein geschliffener Stein, ein getrocknetes Blatt, ein Stück Metall. Bedeutung entsteht durch Gebrauch, nicht durch Weihe.

§ 05

Namen

Vornamen

VelthurLarthia ArnthThana AuleVipie TanaquilAvle SpurinnaRasna

Familiennamen

SpurinnaCaecina VolturnaVelsunia TarchunaClusina

Orte

VelznaClusium TarchunaVetluna
§ 06

Die Städte Eturias

Unter den ruhigen Bahnen von Tivr und Lasa liegen die Städte Eturias wie unterschiedliche Auslegungen derselben Welt – jede in sich geschlossen, jede einem Prinzip näher.

Stadt des Erwachens

Velzna

Hier wird gedacht, gesprochen, gestritten – laut, leidenschaftlich und ohne Scheu. Auf Plätzen, in Hallen, unter Säulengängen: Überall wird gefragt, verworfen, neu begonnen. Erkenntnis ist kein leises Reifen, sondern ein fortwährendes Ringen.

Gelehrte, Redner und Suchende füllen die Stadt mit Unruhe. Wahrheit wird nicht bewahrt, sondern herausgefordert. Ein Kreis von Lehrenden lenkt die Geschicke – und steht doch selbst im Licht der Fragen.

Stadt des Schleiers

Tarchuna

Tarchuna liegt halb im Sichtbaren, halb im Angedeuteten. Enge Gassen öffnen sich unvermittelt, Stimmen verhallen hinter Masken, Wege verändern sich, während man sie geht. Kunst und Verstellung durchziehen alles.

Wer in Tarchuna lebt, weiß: Wahrheit ist nur eine Möglichkeit unter vielen.

Es gibt viele weitere Orte, doch diese beiden mögen ein Gefühl für das Ganze geben.

§ 07

Kalender

Das eturische Jahr zählt 552 Tage in fünf Kreisen – einen für jedes Prinzip. Die Woche hat acht Tage, zwei davon gehören der Ruhe; der Tag hat dreißig Stunden. Gezählt wird seit dem Schleier, man schreibt das Jahr 486.

552
Tage / Jahr
5
Kreise / Jahr
8
Tage / Woche
30
Stunden / Tag
60
Minuten / Stunde

Die fünf Kreise

Jeder Kreis trägt den Namen eines Prinzips und bringt sein eigenes Wetter mit. Sie sind ungleich lang: Auf den Kreis des Schleiers entfällt gut ein Viertel des Jahres, auf den Kreis des Werdens kaum ein Sechstel. Im Werden liegt der längste Tag, in der Stille der kürzeste.

KreisTageWetter
Kreis des Erwachens 96 Kühl, dunstig · 8–17 °C
Kreis des Werdens 88 Hell, offen · 16–27 °C
Kreis des Schleiers 144 Nebel, Regen, Schwüle · 23–32 °C
Kreis des Strebens 112 Warm, trocken · 18–26 °C
Kreis der Stille 112 Kalt, grau, Schnee · 3–11 °C

Der Tag

Dreißig Stunden sind zu lang, um sie an einem Stück wach zu verbringen. Der eturische Tag hat deshalb zwei Ruhen. Die Mittagsrast fällt in die vier Stunden, in denen sich die Luft verdichtet und der Schleier sich über die Welt legt – dann arbeitet niemand; das ist keine Vorschrift, sondern Rhythmus.

Auch die Nacht ist geteilt. Auf die Abendruhe folgt die Besinnung, eine Wachphase zwischen erstem und zweitem Schlaf, und erst danach die Nachtruhe.

AbschnittStundenBedeutung
Tagesbeginn6–8Aufbruch
Morgenwerk8–11Arbeit
Später Morgen11–13Arbeit
Mittagsrast 13–17 Ruhe, der Schleier senkt sich
Tageswerk17–22Arbeit
Abendstund22–24Ausklang
Abendruhe 24–28 Erster Schlaf
Besinnung 29–1 Wache zwischen den Schlafen
Nachtruhe 1–6 Zweiter Schlaf

Die Woche

Acht Tage; die letzten beiden gehören der Ruhe.

Werktage

AnfangAufbau BindungTiefe LastAusklang

Ruhetage

StilleGemeinschaft

Die Monde

Tivr braucht acht Tage für seine Phasen – genau eine Woche. Er zeigt an jedem Wochentag dieselbe Gestalt und ist damit selbst ein Kalender.

Lasa braucht achtundvierzig Tage, also sechs Wochen. Erst dann stehen beide wieder gleich.

Feste im Jahreslauf

AussaatKlarheit LichtwendSchleierfang ÜbermaßMahd Tage der BindungLetzte Garbe StillwendTage ohne Maß

Tage ohne Maß

Die letzten beiden Tage des Jahres, tief im Kreis der Stille: eine Zeit ohne Verpflichtung, in der das alte Jahr ausläuft und das neue noch nicht begonnen hat.

Hell brennen die Lichter der eturischen Orte – doch zwischen ihnen liegen weite, oft ungezähmte Landschaften, die ihre eigenen Geheimnisse bewahren.

Wer hier lebt, sucht selten nach der einen Wahrheit.

Doch wer lange genug verweilt, beginnt zu verstehen, dass gerade darin das Geheimnis liegt.